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Metaller fordern 6% mehr Lohn. Freitag Warnstreiks bei BMW in LA, Dingolfing & bei MANN+HUMMEL IG Metall: Rückenwind durch Mitgliederrekord

warnstreiks

(10.01.2018) Die IG Metall ruft am kommenden Freitag (12.01.) die Beschäftigten beim Automobilhersteller BMW in Landshut und Dingolfing zu mehrstündigen Warnstreiks auf. Ebenso wird der Filterhersteller und Automobilzulieferer MANN+HUMMEL in Marklkofen bestreikt. Die IG Metall will damit ihrer Forderung nach 6 Prozent mehr Einkommen und einer Wahloption auf kürzere Arbeitszeit Nachdruck verleihen.

Die Friedenspflicht ist seit Jahresbeginn zu Ende und die 3,9 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie können damit zu Arbeitskampfmaßnahmen von ihrer Gewerkschaft aufgerufen werden.

grsheiDie Metallgewerkschaft befindet sich im Aufwind sagt Robert Grashei (Foto), Erster Bevollmächtigter der IG Metall Landshut: „Wir haben im letzten Jahr 2.632 neue Mitglieder alleine in unserer Region hinzu gewonnen. Mit 29.628 Mitglieder zählt die IG Metall Geschäftsstelle einen neuen Mitgliederrekord. Mit diesem starken Rückenwind treten wir an den Verhandlungstisch mit den Arbeitgebern.“ In der aktuellen Tarifrunde fordern die Metaller neben einer Erhöhung der Tarifeinkommen erstmals wieder Forderungen zur Arbeitszeit. Dabei sollen IG Metall Mitglieder das Recht erhalten, ihre tarifliche Arbeitszeit von 35 Stunden pro Woche auf bis zu 28 Stunden, ohne Entgeltausgleich absenken zu können. Für Eltern, die ihre Arbeitszeit reduzieren um Kinder zu betreuen und Beschäftigte, die sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern sowie für belastete Schichtarbeiter soll es dabei einen Entgeltzuschuss geben.

Metaller Robert Grashei begründet die Forderung als berechtigt und finanzierbar: „Die Branche brummt, die Auftragsbücher sind voll und die Beschäftigten haben es verdient, mehr Geld zu bekommen. Sie haben mit Überstunden und Sonderschichten den Erfolg im vergangen Jahr ermöglicht. Jetzt ist ein Stück vom Kuchen für die Arbeitnehmer fällig!“ Die Forderung zur Arbeitszeit ist nach einer zweijährigen Debatte und in einer groß angelegten Befragung der Beschäftigten im Frühjahr des vergangenen Jahres entstanden. Dabei beteiligten sich mehr als 680.000 Beschäftigte in den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie. Demnach gibt es rund ein Viertel der Beschäftigten, die länger als 35 Stunden pro Woche arbeiten wollen und ebenso viele würden gerne ihre Arbeitszeit reduzieren. Die Realität in den Betrieben wird dem nicht gerecht. 70 Prozent der Beschäftigten arbeiten bereits länger als 35 Stunden, dies führt zu einer realen Arbeitszeit von über 39 Stunden pro Woche in der Branche. Nur sechs Prozent haben eine kürzere Arbeitszeit. Für Metaller Grashei ein klarer Handlungsauftrag: “Flexible und lange Arbeitszeiten im Interesse der Betriebe haben wir bereits, oft zum Nachteil der Betroffenen. Jetzt wollen wir im Tarifvertrag Regelungen für Arbeitszeiten, die besser zum Leben, zu den Bedürfnissen und Belastungen der Menschen passen.“

Aber an dieser Frage beißen die Metaller in den Verhandlungen bisher auf Granit. Die Arbeitgeber lehnen den Anspruch auf eine „verkürzte Vollzeit“ ab und bieten nach zwei Verhandlungsrunden nur eine Erhöhung der Einkommen von zwei Prozent und eine Einmalzahlung von 200 Euro. Dies empfindet die IG Metall als Provokation und reagiert mit Warnstreiks, um Bewegung bei den Verhandlungen zu erreichen.

In der Region wird die Metallgewerkschaft hierfür am Freitagmorgen am BMW Standort Landshut die Beschäftigten ab 9 Uhr 15 zum Warnstreik aufrufen. Dann soll für zwei Stunden die Produktion im Komponentenwerk des bayerischen Premiumherstellers stillstehen. Bei der Kundgebung in der Ohmstraße werden die BMW Beschäftigten vom IG Metall Bevollmächtigten Grashei, der auch Mitglied der bayerischen Verhandlungskommission ist, aktuell informiert. Die Warnstreikwelle wird am Abend im Dingolfinger BMW Werk fortgesetzt. Hier ruft die Gewerkschaft die Beschäftigten zu einer „Früher-Schluss-Aktion“ auf. Ab 19 Uhr sollen die Bänder bis Schichtende stillstehen. Zu Beginn der Warnstreikaktion wird Jürgen Wechsler, Bezirksleiter und Verhandlungsführer der IG Metall Bayern sich ein Bild von der Unterstützung der BMW Beschäftigten am Tor 3 machen. Die IG Metall erwartet eine so starke Beteiligung, dass die Produktion eingestellt wird und mit dem Warnstreik ein Produktionsausfall von rund 250 Fahrzeugen verursacht wird. Bei MANN+HUMMEL in Marklkofen werden ebenfalls die Beschäftigten der Spätschicht ab 21 Uhr zur Arbeitsniederlegung von der IG Metall aufgerufen. Hier soll es auch zum Stillstand der Produktionsbänder im Filterwerk kommen.

Mit den Warnstreikaktionen will die IG Metall Druck auf die bevorstehende dritte Verhandlungsrunde am Montag in Nürnberg für die Beschäftigten der bayerischen Metall- und Elektroindustrie machen. Die IG Metall erwartet ein besseres Angebot bei den Einkommen und sachliche Gespräche zum Thema Arbeitszeitgestaltung. Der bisherigen Position der Arbeitgeber setzt die IG Metall die hervorragende konjunkturelle Entwicklung und die zukünftige Attraktivität der Branche für neue Fachkräfte entgegen. Für Robert Grashei, der sich am Montag auch auf den Weg nach Nürnberg machen wird, steht fest: „Wir haben die breite Unterstützung der Beschäftigten. Wenn die Arbeitgeber sich nicht bewegen, werden die Warnstreiks nächste Woche ausgeweitet. Wir wollen mehr Geld und bessere Arbeitszeiten für unsere Mitglieder. Die IG Metall ist verhandlungsbereit.“

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