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"An der Praxis vorbei" - Neue Regelungen - Herausforderungen für Seniorenheime in LA

aa nachtwache breit

Ob Gesetze oder Verwaltungsvorschriften – wie für alle Landshuter Seniorenheime kommen auf das Magdalenenheim und das Hl. Geistspital der Hl. Geistspitalstiftung Landshut große Veränderungen zu. Stimmkreisabgeordneter Helmut Radlmeier, Mitglied im Ausschuss für Gesundheit und Pflege des Bayerischen Landtags, tauschte sich daher gemeinsam mit Ingeborg Pongratz, Vorsitzende des Gesundheitspolitischen Arbeitskreises der CSU, mit der Stiftungs- und der Einrichtungsleitung der Hl. Geistspitalstiftung Landshut über konkrete Verbesserungen aus.

Derzeit sieht sich das Gesundheits- und Pflegewesen vielen Reformen gegenüber. Am 13. Januar hat etwa die Bundesregierung mit einem Kabinettsbeschluss das Pflegeberufsgesetz auf den Weg gebracht. Kern des Gesetzes ist die sogenannte generalistische Pflegeausbildung, mit der die drei bisher getrennten Pflegeausbildungen der Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege zusammengeführt werden soll. Dadurch soll die Berufsausbildung zukunftsfest und attraktiver werden, da der Bedarf an Pflegekräften aufgrund der demographischen Entwicklung stetig steigt.

Skepsis gegenüber Reform

„Vieles davon macht Sinn, doch alles sollte auch durchdacht sein“, findet Karl Heinz Sedelke, Einrichtungsleiter des Hl. Geistspitals und des Magdalenenheims. Eine Aufwertung der Pflegeberufe sei längst überfällig, die Wertschätzung für das körperliche wie psychisch herausfordernde Berufsfeld müsste in der Allgemeinheit höher sein, betont Sedelke. Allerdings stehe er der Reform skeptisch gegenüber. Zwei von drei Ausbildungsjahren würden bei einer generalistischen Ausbildung die Auszubildenden dann nicht mehr im Hause sein. „Welches Unternehmen würde da mitmachen?“, kritisiert Sedelke. Stiftungsverwalter Dieter Groß befürchtet, dass sich bei einer Zusammenlegung der Ausbildungsberufe u.U. viele im Anschluss an die Ausbildung für einen Job im Krankenhaus entscheiden würden und damit Seniorenheime nicht mehr ausreichend Personal zur Verfügung hätten. Zudem sei es, so Stiftungsverwalter Groß, nicht nachvollziehbar, warum die Ausbildung jetzt, da die Zahlen der Auszubildenden jährlich deutlich steigen, und das nicht nur in der Hl. Geistspitalstiftung Landshut sondern bayernweit, geändert wird.

„Wichtiger als große Reformen sind oft punktuelle, praxisorientierte Veränderungen, aus denen wirkliche Verbesserungen resultieren“, pflichtet Radlmeier bei.

Nachtwachenschlüssel nachbessern

Die größten Kopfschmerzen bereitet der Stiftungsleitung derzeit eine Verwaltungsvorschrift aus dem Gesundheitsministerium: Nach dem neuen Nachtwachenschlüssel wird das Verhältnis zwischen Personal und Bewohnern im Nachtdienst neu berechnet. In der Regel bedeutet dies für Landshuts Heime, dass sie in der Nacht mehr Personal einsetzen müssen. Auf den ersten Blick eine gute Absicht, auf den zweiten erweise sich die Maßnahme allerdings für wenig sinnvoll, da das Personal dann am Tag fehlen würde, legt Sedelke dar. Gerade zur Tageszeit sei der Personalbedarf aber natürlich um ein Vielfaches höher, da dann Besuchszeiten, Termine, Ausflüge oder die einzelnen Pflegemaßnahmen anstehen würden. „Zieht man hier Personal ab, wird die Qualität leiden“, befürchtet die Einrichtungsleitung. Die Wünsche und Anliegen der Bewohner könnten unter Umständen nicht mehr in gewohnter Weise berücksichtigt werden. Diese hätten aber oberste Priorität. In der Nacht würde dagegen die bisherige Nachtbesetzung völlig reichen, sind sich sowohl Einrichtungsleitung und Bewohner als auch die in der Nachtschicht Tätigen einig. Für Sedelke und Groß ein weiteres Beispiel dafür, dass Neuerungen oft an der Realität in der Pflege vorbei gehen.

„Die Praxistauglichkeit ist durchaus fraglich“, stimmt Abgeordneter Radlmeier zu. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml, aus deren Hause die Nachtwachenregelung stamme, werde er die Problematik darlegen: „Hier sollte man nachbessern.“ Zu begrüßen sei, dass im wichtigen Bereich Pflege nach langem Stillstand Reformen angepackt werden, so Radlmeier. „Bei allen Neuerungen müssen aber immer Bewohner, Patienten und Personal im Mittelpunkt stehen“, stellt Radlmeier klar. Die Häuser der Hl. Geistspitalstiftung Landshut seien bestens geführt. Aufgabe der Politik sei es, Leitung und Personal bei Veränderungen und neuen Regelungen den Rücken frei zu halten, damit diese sich auf ihre Arbeit und damit auf die Bewohner konzentrieren könnten, waren sich Radlmeier und Pongratz einig.

Bildunterschrift (v.r.): Über den Abbau von Hürden im Pflegebereicht diskutierten Landtagsabgeordneter Helmut Radlmeier und die Vorsitzende des Gesundheitspolitischen Arbeitskreises der CSU Ingeborg Pongratz mit Stiftungsverwalter Dieter Groß und dem Einrichtungsleiter Karl Heinz Sedelke.

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