Jahresgespräch zwischen Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich und Chefärztin Dr. Tanja Hochegger - Foto: Sabine Bäter
Landshut - pm (13.03.2026) Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Bezirkskrankenhaus (BKH) Landshut steht schon seit Jahren vor großen Herausforderungen – doch es gibt Grund zur Zuversicht. Chefärztin Dr. Tanja Hochegger berichtete Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, dass sich die Personalsituation im oberärztlichen Bereich stabilisiert hat. „Wir haben ein gemischtes Oberarzt-Team aus verschiedenen Regionen. Das bringt eine gute Dynamik mit sich und erlaubt uns, neue Projekte anzugehen.“
Brücke zwischen zwei Welten
Ein besonderes Vorhaben ist die geplante Transitionsstation – eine psychiatrische Einrichtung, die den Übergang zwischen Kinder- und Jugendpsychiatrie und Erwachsenenpsychiatrie begleitet. „Es ist ein Herzensprojekt für das gesamte Team“, betonte Hochegger. Viele Patienten zeigen auch zum Zeitpunkt der Volljährigkeit noch anderen Bedarf, als in den Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie ermöglicht werden kann, erläuterte die Chefärztin. Besonders wenn die jungen Erwachsenen noch einen sozio-emotionalen Entwicklungsbedarf haben und die Autonomieentwicklung verzögert ist, muss der Übergang von der Jugendpsychiatrie in die Psychiatrie gut begleitet werden. „Wenn wir 18-Jährige in die Erwachsenenpsychiatrie entlassen, sehen wir deutlich, dass dieser Übergang Krisen auslösen kann. Eine Transitionsstation begegnet genau diesem Problem.“ Die künftige Station soll mit je zehn Betten der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie der Erwachsenenpsychiatrie betrieben werden. Der Aufbau ist ab 2027 geplant.
Virtuelle Realität gegen Angststörungen
Im Rahmen des Forschungsprojekts VISAKI – „Virtuelle Interaktion zur Förderung der mentalen Gesundheit und sozialen Angststörungen bei Kindern" – arbeitet die Klinik gemeinsam mit der TH Deggendorf daran, wie Augmented und Virtual Reality in der Behandlung von Kindern mit Angststörungen eingesetzt werden können. Dabei wird die natürliche Spielfreude der Kinder genutzt: In einem sicheren virtuellen Raum können sich Kinder schrittweise an angstauslösende Situationen herantasten. „Wir freuen uns sehr über unsere Beteiligung an dieser Studie“, sagte Hochegger. „Sie eröffnet neue Behandlungsoptionen und bietet betroffenen Kindern eine echte Chance.“ Allerdings gestalte es sich schwierig, genug junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu gewinnen und Eltern vom Nutzen der Studie zu überzeugen.
„Psychische Erkrankungen treten seit einigen Jahren immer häufiger in Erscheinung“, so Bezirkstagspräsident Dr. Heinrich. „Die Fallzahlen steigen – einerseits, weil die psychischen Belastungen zunehmen, aber auch weil die Sensibilität für seelische Erkrankungen wächst und Vorbehalte gegen psychiatrische Behandlung zurückgehen. Das ist eine gute Nachricht. Um mit dem wachsenden Bedarf Schritt zu halten, müssen wir am Puls der Forschung bleiben und Therapien ständig weiterentwickeln – besonders in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Dazu tragen die aktuellen Projekte am BKH Landshut ganz entscheidend bei.“
Pflege unter Druck
Anders als im ärztlichen Bereich bleibt die Lage in der Pflege angespannt. „Die Pflege steht unter großem Druck“, so Hochegger. Ein struktureller Nachteil sei das Fehlen einer Pflegeschule in Landshut, die kontinuierlich für Nachwuchs sorgen könnte. Hinzu komme, dass die Psychiatrie ein besonders anspruchsvolles Fachgebiet ist, das Zeit zur Einarbeitung erfordert – Zeit, die bei dünner Personaldecke oft fehlt. Durch die hohe Belastung, würden neue Pflegekräfte sogar häufig das Handtuch werfen.
Nachwuchs für die Pflege in der Psychiatrie zu gewinnen sei wichtig, ihn zu halten aber essentiell, betonte der Bezirkstagspräsident. „Hier muss weiter an den Rahmenbedingungen gearbeitet werden. Unser Fundament sind die erfahrenen Pflegekräfte, die ihr Wissen und ihre Haltung an Jüngere weitergeben – das ist nicht selbstverständlich und verdient großen Respekt.“

