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Von der Lufthoheit über der Kaffeetafel: Wichtige ökologische Funktionen, Wissenswertes über Wespen

Landkreis Landshut - pm (12.08.2026) Es gibt vermutlich fast niemanden, der beim Stichwort „Wespen“ nicht automatisch an schwarz-gelbe Quälgeister denkt, die sofort auftauchen, wenn an der Kaffeetafel der Kuchen serviert wird und sich wie wild auf jedes offene, süße Getränk stürzen. Dieser verengte Blickwinkel wird den Wespen und ihrer Bedeutung für das Ökosystem aber nicht gerecht. Es ist fast unglaublich, aber wahr: in Deutschland leben mehrere hundert verschiedene Wespenarten.

Da die meisten davon aber solitär, also nur einzeln vorkommen und keine Völker bilden, nehmen wir nur wenig Notiz von ihnen. Nur ein geringer Teil der Wespenarten ist staatenbildend und baut damit Nester. Davon wiederum sind nur zwei Arten regelmäßig an der Kaffeetafel vertreten, nämlich die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe.

Im März und April beginnen die Königinnen, die den Winter überstanden haben, damit, einen geeigneten Platz für ein Nest zu suchen und legen die Grundlage für ihren Staat. Im Juni schlüpfen dann die ersten Arbeiterinnen, während die Königin weiterhin Eier legt. Die Aufgabe der Arbeiterinnen ist es, die Larven mit Fleisch zu versorgen. Dies gewinnen sie in erster Linie dadurch, dass sie große Mengen an Insekten erbeuten und an die Larven verfüttern. Nicht umsonst nennt man die Wespen auch die „Naturpolizei“, weil sie den Bestand an Mücken, Fliegen, Blattläusen und Raupen regulieren. Für die eigene Versorgung brauchen sie aber Kohlenhydrate in Form von Süßem. Diesen Bedarf decken die Arbeiterinnen, indem sie Blütennektar zu sich nehmen - dabei spielen sie eine wichtige Rolle als Bestäuber von Pflanzen. Ebenso werden sie bei der Versorgung der Larven mit einem süßen Zuckersaft versorgt.

Im Spätsommer spitzt sich die Versorgungssituation dramatisch zu: einerseits gibt es immer weniger Larven, andererseits bietet die Natur weniger Blütennektar. Auf der verzweifelten Suche nach Nahrung und Flüssigkeit sind Zwetschgendatschi und Cola verlockende Angebote, die keine Wespe ablehnen kann. Dennoch sind die Tage des Wespenvolks längst gezählt und das große Sterben beginnt. Anders als Bienen kann ein Wespenvolk den Winter nicht überstehen und stirbt ab. Eine Ausnahme bilden alleine die Jungköniginnen. Ab Mitte bis Ende August fliegen sie aus und starten zum Hochzeitsflug, um sich zu paaren und nach der Winterruhe im nächsten Jahr einen neuen Staat gründen zu können. Die klimatischen Umstände und die Bedrohung durch Fressfeinde setzen den Königen aber sehr zu. Statistisch gesehen gelingt es von 10.000 Jungkönigen nur etwa 10 Tieren, den Winter zu überstehen und im Frühjahr einen neuen Staat zu gründen.

Diese Hintergründe zeigen auf, dass die Wespen im Ökosystem eine überaus wichtige Funktion einnehmen. Gleichzeitig bilden Wespen wiederum die Nahrungsgrundlage für andere Tierarten, wie etwa Libellen, Vögel oder Säugetiere wie Igel, Dachse oder Mäuse. Das Wissen, dass ein Wespenvolk ab dem Spätsommer ohnehin abstirbt, sollte davon überzeugen, dass es vielleicht nicht nötig ist, ein Nest zu entfernen oder gar Gift einzusetzen. Hat sich ein Wespenvolk in der Nähe von einem Fenster niedergelassen, hilft oftmals ein Stück Fliegengitter, um den Sommer in friedlichem Miteinander zu überstehen. Da Wespen jedes Jahr neue Nester bauen, kann das alte Nest im Herbst unproblematisch entfernt werden. Hartnäckig hält sich leider der Mythos, dass ein Wespenstich deutlich gefährlicher sei als der Stich einer Biene. Dies ist falsch. Noch härter trifft es die Hornissen, eine Unterart der Wespen. Nach dem Volksglauben töten sieben Hornissenstiche ein Pferd und drei einen Menschen. Diese Falschinformationen tragen leider dazu bei, dass die Tiere völlig zu Unrecht den Ruf haben, gefährlich zu sein.

Nach dem Bundesnaturschutzgesetz genießen Wespen den grundlegenden Schutz, dass sie nur bei Vorliegen eines triftigen Grundes beeinträchtigt werden dürfen. Ein solcher liegt beispielsweise vor, wenn jemand nachweislich eine Allergie gegen Insektenstiche hat und sich ein Wespenvolk direkt am Fenster zum Schlafzimmer niederlässt. In einem solchen Fall überwiegt der gesundheitliche Schutz des Menschen ohne Zweifel. Ausdrücklich sei an dieser Stelle davor gewarnt, Wespennester eigenständig entfernen zu wollen, etwa durch ein Abschlagen oder den Einsatz von brennbaren Flüssigkeiten. Jedes Jahr gehen zahlreiche Unfälle und Brände auf das Konto solcher Versuche. Gibt es keine Möglichkeit, bis zum Herbst zu warten und das Nest an Ort und Stelle zu belassen, sollte Kontakt mit einer Fachfirma für Schädlingsbekämpfung aufgenommen werden. Nur wenige Firmen bieten dabei das Umsiedeln von Nestern an, sondern setzen Gift zur Bekämpfung ein - allerdings gibt es im Raum Rottenburg einen Wespenberater, der auch Nester umsiedelt. Einen höheren Schutzstatus genießen die Hornissen - sie sind von Gesetzes wegen streng geschützt. Ein Verstoß gegen die artenschutzrechtlichen Vorgaben kann ein empfindliches Bußgeld zur Folge haben.

Im Landkreis Landshut gibt es eine Reihe von Hornissenberatern, die bei Konflikten mit den Tieren zur Seite stehen und gegebenenfalls eine Umsiedlung vornehmen. Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Landshut vermittelt unter Telefon 08703 / 9073 -2411 den Kontakt zur kostenlosen Hornissenberatung.

Was hilft aber nun, um Wespen vom Kaffeetisch zu vertreiben? Darüber wird seit jeher gestritten. Experten raten zu Ruhe - keinesfalls sollte nach den Tieren geschlagen werden, weil dies die Angriffslust noch steigert. Ein feiner Wassernebel aus einer Sprühflasche gaukelt Regen vor und soll die Wespen dazu bringen, dass sie ins Nest zurückfliegen. Auch intensive Düfte, wie etwa Minz- oder Eukalyptusöl sollen ebenso wie Zitronen, die mit Nelken gespickt werden, dazu führen, dass die Tiere fernbleiben.

Bernhard Schindler Wolfgang Bosbach

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